Antizionistischer Konsens: Stumpf will Konzert durchführen

Auf ein Gespräch mit dem Kollektiv des „Stumpfs“, dem Veranstaltungsort des Oi-Polloi-Konzertes in Hannover-Nordstadt, hat sich die Kampagne Stop Oi Polloi eingelassen. Was die jungen Menschen, die uns in einer Antwort-E-Mail auf den offenen Brief schrieben, dass sie auf ihrem Plenum über das Thema beraten und das Schreiben mit Querverweisen „erstmal zur Kenntnis genommen“ hätten, am Abend des 12.10.2009 dann jedoch von sich gelassen haben, hätten wir nicht erwartet. In vollem Umfang rechtfertigten die Anwesenden Oi Pollois antiemanzipatorische Sichtweise. Bezüglich der verkürzten Kapitalismuskritik schlug man uns ein „das ist eben Punk“ um die Ohren.

Das Konzert wird stattfinden, so begann die Unterhaltung, die nach Vorstellung des „Stumpf“-Kollektivs ohne jegliche Kritik an der – wie sich herausstellte – antizionistischen Ideologie ablaufen sollte. Sehr erbost war ein „Stumpf’ler“ über unsere Aussage, man könne den Schmähspruch wider dem Antisemitismus im Eingangsbereich der Räumlichkeiten ohne schlechtes Gewissen entfernen, wenn es zum Auftritt der antiemanzipatorischen Band kommt.
Dass Israel ein Existenzrecht und, um dieses zu sichern, auch ein Recht auf die Verteidigung hat, wurde von den anwesenden „Stumpf“-Aktivist_innen nicht geteilt, der Aufruf von Oi Polloi zum Boykott israelischer Produkte wurde gerechtfertigt.

Die Kampagne Stop Oi Polloi, die ihre Kritik an der Band an Gesagtem, Gesungenen und Handlungen der Mitglieder festmacht, wurde vom „Stumpf“ aufgefordert, doch bitte mit Oi Polloi in einen Dialog zu treten. Eine solche Forderung ist für uns unberechtigt, da eine Gruppe mit politischem Anspruch, wie es Oi Polloi zumindest immer vorgibt zu sein, an ihren Taten und Aussagen zu messen sind. Mit Antisemit_innen zu diskutieren ähnelt daher dem Versuch „einem Tier das Sprechen beizubringen“ (Leszek Kolakowski). Da die antisemitische Verschwörungstheorie irrational ist, machen Gespräche mit Vertreter_innen dieser Haltung keinen Sinn. Antisemit_innen müssen daher ausgegrenzt und isoliert werden.
Der sekundäre Antisemitismus, der in den Aussagen des „Stumpfs“ deutlich wird, ist keineswegs zu akzeptieren und aufs schärfste zu verurteilen!

Daher rufen wir alle Menschen dazu auf, am Donnerstag, dem 22.10., ihren Protest gegen die Band Oi Polloi und die Entscheidung des „Stumpfs“, die Gruppe auftreten zu lassen, im Welfengarten zu äußern!

Gegen jeden Antisemitismus! Solidarität mit Israel!

120 Minuten Indymedia…

Wenig Zuspruch, dafür aber viel (unbegründete) Kritik fand ein Artikel, der auf Indymedia auf die Kampagne Stop Oi Polloi hinwies. Das Portal löschte den Artikel nach vier Stunden. Eine Begründung auf Nachfrage gab es nicht. Getreu dem Sprichwort „getroffene Hunde bellen“ fassen wir die schnellen „Antworten“ in dem Artikel und die wüsten Beschimpfungen als Bestätigung der Kampagne auf.

Hier dokumentieren wir einige Zitate aus den Indymedia-Kommentaren der ersten zwei Stunden, in denen der Artikel online war – zum Schmunzeln und Grübeln:
- „Staatsschutzlinke“
- „antideutsche Wort und Satzhülsen“
- „oi polloi ist rischtisch geil“
- „hahaha, seid ihr peinlich! Wir sehen uns beim konzert“
- „Vorsicht! HC-antideutscher Unsinn!“
- „Verpisst euch [Antideutsche] endlich aus der radikalen Linken!“
- „9/11 truth … böse böse Gedankenverbrecher lol“
- „Stürmt das Konzert doch und lasst euch von Punkern zusammenschlagen.“
- „Es gibt echt schlimmeres.“

Die Kampagne Stop Oi Polloi

Die Kampagne Stop Oi Polloi hat sich im Vorfeld eines geplanten Konzertes der „Punk“-Band Oi Polloi in Hannover gegründet. Am 22.10.2009 soll die schottische Gruppe im „Stumpf“ in Hannover-Nordstadt im Rahmen ihrer Tour auftreten. Weitere Gigs sind unter anderem für Locations in Verden, Hamburg und Osnabrück angekündigt. Aufgrund ihrer eindeutig antiemanzipatorischen Positionen sind Konzerte dieser Band in Zentren, in denen ein linker Mindeststandard zu erwarten ist, nicht hinnehmbar.

Wir rufen daher zum Protest gegen Oi Polloi auf. Auch wenn wir dabei aus organisatorischen Gründen nur in Hannover direkt aktiv werden können, gilt unsere Kritik natürlich nicht nur hier.

Auf dieser Site findet Ihr Informationen zur Band und einen offenen Brief an die Veranstalter_innen.



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